Saison 2015/2016

Leoš Janáček 
Jenůfa 

jeji-pastorkyna-banner-1870x510-opera.jpg

Einstudiert im tschechischen Original mit tschechischen Übertiteln
Libretto: Leoš Janáček nach dem Drama von Gabriela Preissová

Dirigent: Marko Ivanović
Regie: Martin Glaser
Bühnenbild: Pavel Borák
Kostüme: Markéta Sládečková-Oslzlá
Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

Schlimmer als ein Kratzer im Gesicht sind Kratzer auf der Seele.

Jenůfa ist eines der berühmtesten Werke Janáčeks und gehört fest zum Repertoire der Brünner Oper. Das Stück basiert auf einem realistischen Drama von Gabriela Preissová, welches der Komponist selbst zu einem Opernlibretto umschrieb. Obgleich er den Text des Dramas deutlich kürzen musste, gelang es ihm, die Wirkung der tragischen Geschichte aus der mährischen Provinz noch zu vertiefen – der verschwenderische und unbeständige Števa, der ungestüme und doch tief in seinem Innern liebevolle Laca und vor allem die unerbittliche Küsterin, welche sich im Bemühen, ihre Respektsposition in der Dorfgemeinschaft zu bewahren, bis zur Tötung des Kindes ihrer Ziehtochter Jenůfa treiben lässt. Janáček beschrieb die einzelnen Charaktere in meisterhafter dramatischer Verkürzung, die einen geradezu frösteln lässt, doch gleichzeitig erweckt er im Zuschauer Mitgefühl und Verständnis. Zur endgültigen Fassung des Werks, die durch den Tod von Janáčeks Tochter Olga gezeichnet war, führte ein langer und dornenreicher Weg. Jenůfa musste nach der gelungenen Brünner Uraufführung von 1904 zwölf lange Jahre darauf warten, bis Janáčeks Anstrengungen durch den verdienten Erfolg auch auf anderen Bühnen im In- und Ausland gekrönt wurden.


Bedřich Smetana 
Der Kuss 

hubicka-banner-1870x510-opra.jpg

Einstudiert im tschechischen Original mit tschechischen Übertiteln
Libretto: Eliška Krásnohorská

Dirigent: Jakub Klecker
Regie: Linda Keprtová
Bühnenbild: Eva Jiřikovská
Kostüme: Marie Blažková
Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

Es geht wirklich nur um einen Kuss.

Smetanas Kuss ist nach der Verkauften Braut eine seiner meistgespielten Opern. Und das ist auch kein Wunder. Obgleich Smetana zu der Zeit, als er die Oper schrieb, bereits ertaubt war und tragische Augenblicke durchlebte, schuf er mit dem Kuss ein weiteres poetisches Bild des böhmischen Landlebens voller mitreißender Melodien. Das Libretto von der starrsinnigen Vendulka und ihrem Verlobten Lukáš, deren Liebe beinahe einem Streit über einen vorehelichen Kuss zum Opfer gefallen wäre, verfasste die herausragende tschechische Dichterin Eliška Krásnohorská nach der gleichnamigen humoristischen Erzählung von Karolína Světlá, und dieser Fall soll sich in irgendeinem Dorf unter dem Ještěd tatsächlich so zugetragen haben. Smetana zögerte beim Komponieren anfangs und hegte Zweifel hinsichtlich der dramatischen Möglichkeiten des Sujets, doch schließlich ließ er sich überzeugen. Die Premiere im Jahr 1876 am Prager Interimstheater war ein großer Erfolg, und bald schon wurde die Oper im ganzen Land gespielt. Auch heute hat sie noch nichts von ihrem Reiz und ihrer Wahrhaftigkeit eingebüßt. Schließlich schaffen wir es nur zu oft, uns das Leben durch Kleinigkeiten zu verkomplizieren. Oder sollte es hier um mehr als nur einen Kuss gegangen sein?


Thomas Adès  
Powder Her Face 

powder-her-face-web2.jpg

Einstudiert im englischen Original mit tschechischen Übertiteln
Libretto: Philip Hensher

Dirigent:  Marko Ivanović
Regie: Tomáš Studený
Bühnenbild: Zuzana Přidalová
Kostüme: Zuzana Přidalová
Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

Ein Skandal im Leben und auf der Bühne.

Im jugendlichen Alter von vierundzwanzig Jahren schrieb der britische Komponist Thomas Adès als Auftragswerk für das Cheltenham Music Festival seine erste Oper Powder Her Face. Dank seiner erstaunlich vielgestaltigen und reifen Partitur, in der sich Einflüsse von Cabaret und Jazz bis hin zu Weill, Strawinsky und Berg wiederfinden, markierte das Werk den Beginn der internationalen Karriere seines Schöpfers und gehört bis heute zu seinen meistgespielten Stücken. Die Oper schildert in farbenreichen Episoden den faszinierenden Aufstieg und Fall der berühmt-berüchtigten Schönheit Margaret Campbell, Herzogin von Argyll, deren sexuelle Unersättlichkeit und skandalträchtige Scheidung im Jahr 1963 das Gesellschaftsleben Großbritanniens dominierten. Obgleich die Oper bei ihrer Premiere sehr positiv aufgenommen wurde, wurde sie auch durch ihre explizite Sprache und die Details aus dem Sexualleben der Herzogin berüchtigt. Die britische Rundfunkstation Classic FM erwog sogar, die Oper nicht auszusenden, da hier Oralverkehr musikalisch dargestellt wird. Heute gilt Powder Her Face mit mehr als 200 Aufführungen als ein moderner Klassiker.

 


Georges Bizet 
Carmen

CARMEN_prem.jpg

Einstudiert im französischen Original mit tschechischen Übertiteln
Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Halévy nach einer Novelle von Prosper Merimée

Dirigent: Ondrej Olos
Regie: Tomáš Pilař
Bühnenbild: Aleš Valášek
Kostüme:  Aleš Valášek
Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

Die Liebe ist ein ungezähmter Vogel.

Wegen seiner törichten Liebe zu einer wilden Zigeunerin desertierte er von der Armee, wurde Schmuggler, Räuber und schließlich mehrfacher Mörder … so schildert Don José, Hauptfigur einer Novelle des französischen Schriftstellers Prosper Merimée, im Gefängnis seinen Werdegang. Gerade dieses schmächtige Büchlein lieferte die Vorlage für eine der berühmtesten Opern aller Zeiten, die ihren Autor, den französischen Komponisten Georges Bizet, weltbekannt machte, wenngleich die absolute Mehrzahl seiner sonstigen Werke längst in Vergessenheit geraten ist. Bizet war von Merimées Sujet sofort begeistert: er liebte exotische Motive, und obgleich er selbst nie in Spanien gewesen war, elektrisierte ihn die dramatische Atmosphäre. Trotz des großen melodischen Erfindungsreichtums und der hervorragenden musikalischen Charakterisierung der Figuren wie der Umgebung wurde die Oper bei ihrer Premiere in der Pariser Opéra comique vom Publikum sehr zurückhaltend aufgenommen. Der sechsunddreißigjährige Komponist verstarb kurz darauf unerwartet. Der Triumphzug der Oper begann erst im Oktober 1875 mit der Aufführung an der Wiener Hofoper, von wo aus Carmen die Opernbühnen der Welt eroberte.


NdB_GILGAMES_banner-prem.jpg

Bohuslav Martinů 
The Epic of Gilgamesh

Libretto: Bohuslav Martinů nach der englischen Übersetzung von Reginald Campbell Thompson

Henry Purcell  
Dido and Aeneas

Libretto: Nahum Tate
Einstudiert im englischen Original mit tschechischen Übertiteln

Dirigent: Marko Ivanović, Václav Luks
Regie: Jiří Heřman
Bühnenbild: Dragan Stojčevski
Kostüme: Alexandra Grusková
Ensemble der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno

Der Mensch liebt, weil er liebt.

Es gibt Mythen, die sich durch alle Kulturen ziehen und auch im Verlauf der Jahrhunderte nichts von ihrer Aktualität verlieren. Mythen, die sich mit den Grundfragen der menschlichen Existenz befassen, und solche, die große Liebesgeschichten erzählen. Zu ersteren zählt das babylonische Gilgamesch-Epos, welches als ältestes schriftlich fixiertes Denkmal der Weltkultur gilt. Gerade diese Geschichte von Gilgamesch, dem unbarmherzigen Herrscher von Uruk, seiner Freundschaft zu dem Naturmenschen Enkidu und ihr philosophischer Dialog über das Leben auf der Erde und nach dem Tod inspirierten Bohuslav Martinů zu einem seiner größten Werke.

Zu den großen Liebesgeschichten, die als Grundlage unzähliger künstlerischer Werke dienten, gehört auch die tragische Liebe der karthagischen Königin Dido zu dem trojanischen Helden Aeneas. Das auf das 4. Buch des Vergilschen Epos Aeneis zurückgehende Sujet diente als Vorlage für mehr als hundert Opern, von denen manche zu den bahnbrechenden Werken dieses Genres zählen. Als solches darf auch die Oper des herausragenden englischen Barockkomponisten Henry Purcell gelten, der dank seiner Fähigkeit, auch die feinsten Nuancen menschlicher Emotionen musikalisch umzusetzen, der unglücklichen Dido zur Unsterblichkeit verhalf.