Saison 2020/2021

Beziehungsgleichungen

Thema der Saison sind die Variablen in den Gleichungen menschlicher Beziehungen, denn hier gilt nicht immer 1 + 1 = 2. Nicht zu unrecht sagt man: „Stell einen Mann und eine Frau auf die Bühne, und es entsteht eine Geschichte. Stell eine Frau und zwei Männer hin, und es gibt eine Verwicklung.“ Diese Gleichung ist für die Oper wie geschaffen, umso mehr, als die Grundgleichung eine Unzahl von Abwandlungen bietet.

Leoš Janáček
Schicksal

Er ein Komponist + Sie seine Geliebte und die Mutter seines Kinds : eine verrückte Mutter = ein Roman aus dem Kurbad Luhačovice.
Janáčeks zu ihrer Zeit hochmoderne Oper Schicksal präsentierte auf der Bühne die noble Gesellschaft eines Kurbads mit einer Sprache im Stile dekadenter Dichter und stellte in seinem Werk einen ganz neuen Ansatz dar, musikalisch aber war sie wie alle seine Opern eine Ausnahmeerscheinung. Wie hätte es anders sein sollen, war doch die Inspiration zu diesem Werk die Liebe des Komponisten zu einer bezaubernden Frau – Kamila Urválková. 

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Dirigent: Marko Ivanović
Regie: Robert Carsen
Bühnenbild: Radu Boroescu
Kostüme: Annemarie Woods
Choreografie: Lorena Randi
Bühnenbild: Peter van Praet a Robert Carsen
Premiere am  28. September 2020 im Janáček Theater

P. I. Tschaikowsky
Eugen Onegin 

Onegin × Tatjana / Onegin × Lenski / Olga x Lenski / Gremin + Tatjana - Onegin = xy
Hochmut ist das größte Hindernis auf dem Weg zum Glück. Diese Geschichte hätte eigentlich rasch und glücklich enden können, hätte nur Onegin seine Geringschätzigkeit und Verachtung für alles Provinzielle abgelegt und Tatjana als das gesehen, was sie wirklich ist. Aber leider… Tschaikowsky bezeichnete Eugen Onegin nicht als Oper, sondern gab diesem Werk den Untertitel „lyrische Szenen“, und tatsächlich findet dieses Werk nach Puschkins berühmter Romanvorlage im Opernrepertoire des 19. Jahrhunderts nicht seinesgleichen. Es wurde als intimes Kammerstück konzipiert und ist daher in seinen Emotionen umso wahrhaftiger.

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Dirigent: Robert Kružík 
Regie: Martin Glaser
Bühnenbild: Pavel Borák
Kostüme: Markéta Sládečková
Premiere am  6. Februar 2021 im Janáček Theater

Giuseppe Verdi
Nabucco

Die alttestamentliche Erzählung von der Verschleppung des jüdischen Volks durch den babylonischen König Nebukadnezar lieferte die Vorlage für die erste wirklich erfolgreiche Oper Giuseppe Verdis. Bei der Premiere konnte wohl niemand ahnen, dass sich das vom Komponisten zunächst abgelehnte Libretto Soleras in Verdis Händen zu einem ikonischen Werk verwandeln würde, doch die Musik voller Unmittelbarkeit, Inbrunst und Temperament begeisterte zu Recht das Publikum. Und dann war da noch das Sujet einer sich nach ihrer Heimat und ihrer Freiheit sehnenden Nation, ein Sujet, das nie seine Kraft und seine Aktualität verliert und dessen Verkörperung jener berühmte Chor „Va, pensiero, sull’ali dorate“ (Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen) ist.

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Dirigent: Ondrej Olso
Regie: Jiří Heřman   
Premiere am 16. April 2021 im Janáček Theater

Giacomo Puccini
La bohème 

Mimì + Rodolfo x Musetta + Marcello = das Leben und die Liebschaften der Künstlern
Zwei verliebte Pärchen, die Freuden und Leiden des Künstlerlebens, ein tragisches Ende – die letzte Premiere der Saison wird einer der beliebtesten Opern überhaupt gehören: Puccinis La bohème, inspiriert durch Henri Murgers Roman über das Leben Pariser Studenten und Künstler wie auch durch Puccinis eigene Erfahrungen aus seiner Studienzeit. Wie bei allen Opern Puccinis wird der Wirbelsturm der in der Musik verborgenen Emotionen sicher keinen der Zuschauer kalt lassen.

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Dirigent: Jaroslav Kyzlink
Regie: Magdalena Švecová
Bühnenbild: David Janošek
Kostüme: Zuzana Přidalová
Premiere am 11. June 2021 im Janáček Theater

Aber nicht nur Beziehungsgleichungen erwarten uns in dieser Saison. Zu den besonderen Traditionen des Brünner Opernensembles gehören zeit seines Bestehens auch Konzerte, die eindrucksvoll die Qualitäten unseres Orchesters auch bei Stücken außerhalb des Opernrepertoires belegen. Das erste Konzert wird in der Adventszeit stattfinden, wenn Sie sich von  der vorweihnachtlichen Hektik bei den Marienspielen Bohuslav Martinůs und anderen schönen Melodien erholen können. Jakub Jan Rybas Böhmische Weihnachtsmesse, die aus der Adventszeit in diesem Land nicht wegzudenken ist, wird zusammen mit der weniger bekannten, aber desto reizenderen barocken Mährischen Weihnachtsmesse von Josef Schreier aufgeführt, in welcher der lateinische Text mit Passagen in der walachischen Mundart durchsetzt ist.  Der Frühling und das menschliche Glück stehen in einem engen Zusammenhang, und die Menschheit hat allerlei Rituale hervorgebracht, sie herbeizurufen. Diese haben als Inspiration zu großen Kunstwerken gedient, von denen wir zwei im Rahmen eines Konzert in der zweiten Hälfte des Saison vorstellen möchten. Le sacre du printemps von Igor Strawinsky und die Carmina Burana von Carl Orff genießen heute nachgerade Kultstatus. Rufen Sie also mit uns die heidnische Frühlingsgöttin und die wankelmütige Fortuna an, auf dass sie all unsere Bedürfnisse erfüllen mögen.