Prager philharmonischer Chor

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20. 11. 2021, 19.00 Uhr, Besední dům

Prager philharmonischer Chor

Chorleiter: Lukáš Vasilek

Solisten: Lucie Silkenová – soprano, Jana Hrochová – alto, Martin Slavík – tenor, Jiří Brückler – baritone

 

 

Josef Bohuslav Foerster (1859–1951): Die Weihe der Nacht, op. 87/für Frauenchor und Klavier

Leoš Janáček (1854–1928): Die Wolfsspur, JW IV/3für Sopran- und Tenorsolo, Frauenchor und Klavier

Josef Bohuslav Foerster (1859–1951): Abendlied, op. 89/für Männerchor a capella

Leoš Janáček (1854–1928): Des Narren Irrfahrt, JW IV/43 für Sopran-, Tenor- und Baritonsolo und Männerchor a capella

Vítězslav Novák (1870–1949): Vier Chöre nach Gedichten von Otokar Březina, op. 47 – Auswahl (3. Magische Mitternächte, 4. Es sangen die brennenden Sternefür gemischten Chor a cappella

Igor Strawinsky (1882–1971): Les Nocec, für Solostimmen, gemischten Chor, vier Klaviere und Schlagzeug

 

Das Konzert bietet einen Querschnitt durch die grundlegendsten Chorwerke böhmischer und mährischer Autoren aus den ersten zwei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts (selbstverständlich wird dieser zeitliche Rahmen teilweise gesprengt). Das Komponistentrio Foerster – Novák – Janáček zeigte in dieser (nicht nur für das Musikschaffen) stürmischen Zeit neue Richtungen für die Chorkunst auf. Das gerade Janáčeks Schaffen eine ganz grundlegende Abkehr von der bis dahin geltenden Kompositionsweise von Chorwerken darstellte, ist offenkundig. Dies belegen auch die weiteren Chorwerke auf dem Programm dieses Konzerts. In seiner zweiten Hälfte wird schließlich eines der Schlüsselwerke des Chorschaffens im 20. Jahrhundert erklingen – Strawinskys Les Noces.

Für Josef Bohuslav Foerster waren die Jahre vor dem Krieg eine ungemein fruchtbare und glückliche Zeit. Der damals in Wien lebende Autor konnte sogar zwei seiner Werke bei der Universal Edition veröffentlichen, also einem Verlag, der die Schlüsselwerke der damaligen Musikszene Mitteleuropas herausgab. Der FrauenchorDie Weihe der Nacht mit Klavierbegleitung stammt aus dem Jahr 1910. Foerster schrieb dieses Stück nach einem Gedichttext von Christian Friedrich Hebbel ursprünglich für Orchesterbegleitung. Es stellt eine Art Nocturne mit bezaubernder Lautmalerei beim Chor wie bei der Begleitung dar. Der Männerchor Abendliedwurde 1916 nach einem Gedicht von Gustav Kellar komponiert und erschien wiederum bei der renommierten Universal Edition.

Janáček befasste sich mit Komposition für Frauenchor kurzzeitig zu Beginn des Jahres 1916, als er im Januar und Februar vier Chorwerke nach Texten von F. S. Procházka sowie die Wolfsspur nach einem Gedicht von Jaroslav Vrchlický komponierte. Dass er in den Kriegsjahren gerade Werke für Frauenchor schrieb, ist kein Zufall. Sein bewährter Sängerbund mährischer Lehrer war durch die Einberufung der Männer an die Front so weitgehend dezimiert, dass keine Konzertauftritte mehr möglich waren. Chorleiter Ferdinand Vach stellte daher einen Chor der mährischen Lehrerinnen zusammen. Im selben Jahr hatte auch die Wolfsspur ihre Premiere. Janáčeks Frauenchöre sind so anspruchsvoll, dass sie nur selten aufgeführt werden. Hier wird es nun eine Gelegenheit geben, Janáčeks unendlichen Einfallsreichtum und seine ganz außergewöhnliche Verwendung weiblicher Stimmen zu bewundern.

Der Männerchor mit Sopransolo Des Narren Irrfahrt entstand volle zehn Jahre nach drei Chorwerken Janáčeks zu Texten von Petr Bezruč. Im Jahr 1921 besuchte Janáček einen Vortrag von Rabindranath Thakur, wo er sich die Sprachmelodien des Dichters notierte und anschließend sogar ein Feuilleton zu diesem Thema verfasste. Die Welt dieses Denkers war Janáček offenbar nah, und so schrieb er kurz darauf im Jahr 1922 nach einem Gedicht Thakurs ein Chorwerk, das zweifellos zu den größten Meisterwerken dieses Genres gezählt werden kann. Janáčeks Manuskript mit einem Teil dieser Komposition ziert den Grabstein des Komponisten auf dem Brünner Zentralfriedhof.

Zu den international angesehenen Künstlern seiner Epoche zählte auch Vítězslav Novák. Wie im Falle Foersters leuchtet auch sein Stern gerade in den Jahren vor dem Krieg am hellsten. Die Gedichte Otokar Březinas, welche Novák in seinem gemischten Chor a cappella aus dem Jahr 1912 vertonte, stellen eine Art philosophische Meditation im Kontext des europäischen Symbolismus dar. Es handelte sich um das erste Werk für gemischten Chor, das Novák überhaupt komponierte. Das interpretatorisch überaus anspruchsvolle Stück erlangte angesichts seines geradezu mystischen Charakters keinen solchen Erfolg wie Nováks vorausgegangene Chorwerke, die ihre Inspiration aus der Volksmusik geschöpft hatten. Die vier Chöre nach Gedichttexten von Otokar Březina gehören zu Nováks herausragendsten Chorwerken.

Als Kontrast zum Musikschaffen in Böhmen und Mähren wird eines der großartigsten Chorwerke des 20. Jahrhunderts erklingen – Les Noces für Solostimmen, gemischten Chor, vier Klaviere und Schlagzeug aus der Feder von Igor Strawinsky. Der Autor begann die Arbeit an dem Stück bereits 1913 und vollendete die Partitur im Jahr 1917. In seiner Komposition verarbeitete er russische Hochzeitsgedichte aus der Sammlung von Pjotr Kirejewski. Les Noces entstand in zeitlicher Nachbarschaft zu Strawinskys berühmtestem Werk Le Sacre du Printemps. Hier wie dort ist die treibende Kraft des Stückes ein urwüchsiger, mitreißender Rhythmus. Die „Tanzszenen mit Musik und Stimmen“, wie der Untertitel des Werkes lautet, widmete der Komponist wiederum dem Russischen Ballett, wo das Stück 1923 in einer Choreografie von Bronislava Nijinska zur Aufführung kam. Obgleich Les Noces eines der markantesten Werke Strawinskys ist, wird es wegen seiner hohen Anforderungen an Interpretation und Ausstattung heute nur sehr selten aufgeführt.

Autor: Jiří Zahrádka

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