Glagolitische Messe / Aus einem Totenhaus

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Mit der eigenwilligen Kombination der Oper Aus einem Totenhaus und der szenischen Fassung der Glagolitischen Messe eröffnen wir den 8. Jahrgang des Festivals Janáček Brno! Der Auftakt des Festivals wird – wie es bereits zur Tradition geworden ist – im Zeichen einer neuen Produktion der Janáček-Oper des Nationaltheaters Brno stehen. Bei ihrer Entstehung sind sich zwei herausragende Künstler erstmals begegnet – Dirigent Jakub Hrůša, für den dies die erste Zusammenarbeit mit dem Brünner Ensemble darstellt, und Regisseur Jiří Heřman, der sich hiermit nach der erfolgreichen Inszenierung des Schlauen Füchsleins im Rahmen des Festivals 2018 erneut dem Werk Janáčeks zuwendet.

Voller Sehnsucht und Erschöpfung warte ich, ob nicht noch irgendein Sternlein vom fernen Horizont mir hell klingend in den Sinn fallen möge. Auch für sein neuntes und letztes Opernwerk suchte und fand Leoš Janáček seine Inspiration wiederum in der russischen Literatur. So wie bereits Čapeks Schauspiel Die Sache Makropulos scheinen sich auch Dostojewskis Aufzeichnungen aus einem Totenhaus auf den ersten Blick nicht im Geringsten als Vorlage für eine Oper zu eignen. Der Aufenthalt des Schriftstellers in einem sibirischen Zuchthaus in Gesellschaft von Dieben, Mördern, aber auch von Menschen, die durch einen unglücklichen Zufall vom Wege abgekommen sind, seine zu einem literarischen Werk umgeformten persönlichen Erfahrungen – das ist eine düstere Abfolge von Erzählungen aus dem Alltagsleben wie auch über die Lebensschicksale der einzelnen Sträflinge, gemischt mit psychologischen Analysen, philosophischen Erwägungen, nahezu ohne Dialoge, ohne einen zentralen Helden und ohne weibliche Figuren. Trotz all der geschilderten Schrecken schrieb Dostojewski nach seiner Rückkehr an seinen Bruder: Ob Du es glaubst oder nicht, es sind unter ihnen tiefe, starke, schöne Charaktere; welch Freude, unter der groben Schale auf Gold zu stoßen! …  Auch Janáček erblickte in den einzelnen Figuren etwas Tieferes, Menschliches. Gegenüber Max Brod erwähnte er im Jahr 1927: Ich habe im Totenhaus eine menschliche Seele auch in Bakluschin, in Petrow und in Isai Fomitsch entdeckt. Nachdem Janáček bei Katja Kabanowa die Partitur auf der Grundlage der tschechischen Übersetzung geschrieben hatte, arbeitete er bei Dostojewskis Text direkt mit dem russischen Original, und sein Exemplar des Buches ist voller Anmerkungen und Unterstreichungen. Ein Libretto ist nie gefunden worden, lediglich eine stichwortartige Skizze ist erhalten geblieben, so dass allgemein angenommen wird, dass Janáček den Text direkt in die Partitur schrieb. Dass die Arbeit nicht leicht und frohgemut vonstatten ging, lässt sich aus einem Brief an Kamila Stösslová erahnen: Es kommt mir vor, als würde ich darin Schritt für Schritt immer tiefer sinken bis auf den Grund zu den erbärmlichsten Menschen der Menschheit. Und so fallen die Schritte denn schwer.

Janáček war es nicht mehr vergönnt, sein Werk zu vollenden. Die Partitur des 3. Akts nahm er im Sommer mit nach Hukvaldy. Dort wurde ihm eine Lungenentzündung zum Verhängnis, und er verstarb am 12. August 1928 in einem Sanatorium in Ostrava. Sein bahnbrechendes Werk blieb unvollendet. Vor der Uraufführung der Oper in Brno vervollständigten zwei Schüler Janáčeks, die Dirigenten Břetislav Bakala und Osvald Chlubna, die Instrumentierung und nahmen kleinere Veränderungen an den Gesangsparten vor. Eine Änderung erfuhr auch der pessimistische Schluss der Oper, wo bei Janáček nach der Freilassung Gorjantschikows die Wachen die Sträflinge zurücktreiben und das Leben im Totenhaus so unerbittlich wie zuvor weitergeht. Später kehrten die Inszenatoren wieder zum von Janáček ursprünglich intendierten Ausklang der Oper zurück. Mit der Festivalinszenierung wird erstmals in Tschechien eine neue kritische Edition von Prof. John Tyrrell präsentiert, in welcher das Werk so getreu wie möglich in jene Form zurückversetzt wird, wie sie von Janáček selbst erdacht, jedoch nie vollendet wurde.

Trotz des düsteren Endes vermerkte Janáček am Beginn der Partitur des TotenhausesIn jeder Kreatur ein göttlicher Funke! Und dies ist der Gedanke, der seine letzte Oper mit einem anderen seiner Werke verbindet, welches ebenso einzigartig ist – einer Messe nach einem altslawischen Text. Die Entstehung der Glagolitischen Messe überschneidet sich teilweise mit der Arbeit an der letzten Oper, und sie stellt ein mitreißendes Bekenntnis dar. Um es mit Janáčeks eigenen Worten auszudrücken: Ich wollte hier den Glauben an die Gewissheit der Nation nicht auf der religiösen Grundlage festhalten, sondern auf der sittlichen, starken Grundlage, die Gott zu ihrem Zeugen macht. Durch die szenische Fassung der Glagolitischen Messe als Fortsetzung der Oper Aus einem Totenhaus enthalten nunmehr beide Teile eine neue Aussage von der Stärke des Glaubens an den Menschen.

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Produktionsteam

Besetzung

Wann spielen wir?

Glagolitische Messe / Aus einem Totenhaus Janáček Theater /

Glagolitische Messe / Aus einem Totenhaus

  • 21/01/2023
  • 19:00

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